Kranz

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Kranz (mhd. kranz, Demin. kranzel, krenzel, krenzelin, v. ahd. krenzen/umwinden; mhd. auch: schapel, schepel, Demin. schapellin; lat. corona). Kränze galten in der röm. und grch. Antike als Sieges- und Ehrensymbol bei sportl. und musischen Spielen, als Auszeichnung bei kriegerischen Erfolgen Feindes und als Zeichen der Jungfräulichkeit. Sie waren ursprünglich aus belaubten Reisern gewunden (Lorbeer, Eiche, Myrten). Aus dem Brauch, Lorbeerkränze für Männer von herausragender Bedeutung in Gold nachzubilden, ist noch im röm. Reich die Herrscherkrone hervorgegangen. (Die Blattform der Zacken an manchen mittelalterliche Kronen sind eine Erinnerung an deren Herkunft.)

Im Mittelalter trugen Männer wie Frauen Laub- oder Blumenkränze zu festlichen Gelegenheiten als Hauptzierde, junge Mädchen schmückten damit ihr offenes langes Haar, Turniersieger erhielten den Kranz als Ehrenpreis aus der Hand einer Dame.

Außer der Bedeutung als schmückendes Beiwerk zur Haartracht galt der kreisförmige Kranz schon in vorchristl. Zeit als Zeichen der Unendlichkeit und – insofern er aus Pflanzlichem geflochten war – als Symbol für Fruchtbarkeit. Im Mittelalter drückte ein Blumenkranz als Geschenk an eine Dame eine Verbeugung vor deren Schönheit aus. (Walther von der Vogelweide: “Nemt, frowe, disen kranz: also sprach ich zeiner wol getanen maget …”/ “Nehmt, Herrin, diesen Kranz, so sprach ich zu einer schönen Jungfrau …”). – Besondere Bedeutung hatten Kränze im Frühlingsbrauchtum, wo ein “Maienkranz” auf Umzügen mitgeführt wurde oder auf einem hohen Baum (Kronen-, Johannes-, Mai-, Pfingstbaum) den Dorfplatz schmückte und umtanzt wurde. – Mancherorts flocht man Kränze aus Zauberpflanzen und -blumen, ließ sie in der Kirche weihen und stellte sie daheim oder auf der Feldflur zur Abwehr böser Kräfte auf. – Zur Hochzeit durften sich nur jungfräuliche Bräute mit dem Brautkranz bzw. der Brautkrone schmücken; diese waren von den Kranzjungfern gewunden worden. Am Ende des Hochzeitstages wurden Brautkranz und -schleier gegen die Haube, das Zeichen der Ehefrau, vertauscht. – Wirtshäuser machten häufig durch das Heraushängen eines grünen Kranzes auf den Ausschank von Wein und Bier aufmerksam. – Gebildbrote wurden zu bestimmten Anlässen (etwa zu Neujahr oder Pfingsten oder als Taufgeschenk) in Kranzform gebacken.

(s. Kranzlied, Krone, Schapel s. Kopfbedeckung)

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