Rizinus




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Rizinus (in mittelalterliche Kräuterbüchern als wunderboum {arbor mirabilis} bezeichnet, wohl wegen des auffallend schnellen Wachstums des Strauchs; botan. Ricinus communis {der Name Ricinus findet sich bei Plinius und rührt daher, dass die reifen Samenkapseln Ähnlichkeit mit einer vollgesogenen Zecke – lat. ricinus – haben}). Ursprünglich wohl in Afrika oder Indien beheimatete Pflanze aus der Familie der Wolfsmilchgewächse, die heute weltweit in tropischen bis in gemäßgten Breiten vorkommt. Sie wächst in heißen Zonen als mehrjähriger Baum oder Strauch, in gemäßigtem Klima als einjähriges Kraut. Charakteristisch sind die rotbraunen, mit weichen Stacheln besetzten Fruchtkapseln, welche die ölhaltigen Samen enthalten. Des Öls wegen, das man zu Beleuchtungszwecken und als Abführmittel nutzte, wurde Rizinus schon in der Antike in Kulturen angebaut. Dioskurides kannte die Pflanze und beurteilt das von ihren Samen gewonnene Öl als tauglich für Lampen und Pflaster. “Werden … Samen fein gestoßen und genossen, so führen sie Schleim, Galle und Wasser durch den Bauch ab, sie bewirken aber auch Erbrechen” (Zit. bei J. G. Mayer et al.). Im Lorscher Arzneibuch (8. Jh.) wird Rizinus – wahrscheinlich auf dem Arzneibuchs des Dioskurides fußend – in der Ersatzmittelliste (“quid pro quo”) erwähnt. “Außerdem taucht Rizinus bei Avicenna (lat., um 1170), im “Aggregator” des Pseudo-Serapions (Kap. 206, um 1290) sowie im Gart der Gesundheit (Kap. 310, Erstausgabe 1485) auf” (Tobias Niedenthal, Forschergruppe Klostermedizin Würzburg).

In der mittelalterliche Klostermedizin wurde Rizinusöl (oleum ricini) weiterhin medizinisch als starkes Abführmittel (s. Purgantia) benutzt. Die abführende Wirkung beruht auf Triglyzeriden der Rizinolsäure. Die Samen (semen ricini) bzw. deren Pressrückstand enthalten die hochtoxischen Eiweißkörper Ricin und Ricinin; trotz ihrer Gefährlichkeit sollen gepresste Rizinussamen zur äußerlichen Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen verwendet worden sein. Da die Toxine nicht fettlöslich sind, gehen sie nicht in das Öl über sondern verbleiben im Presskuchen, der deswegen als Mäuse- und Rattengift verwendet wurde.

(Bemerkenswert ist, dass weder bei Odo Magdunensis (“Macer floridus”) noch bei Hildegard v. Bingen (“Physica”) Rizinus erwähnt wird. Unwahrscheinlich, dass Ihnen die Pflanze und deren Potenzen unbekannt gewesen sein sollen. Galten Rizinus-Präparate als zu gesundheitsabträglich oder gar als Teufelszeug? – d. Verf.)




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